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Alpakas

Herkunft und Geschichte

alpaka0027 Die Ahnen unserer heutigen Kameliden lebten vor mehreren Millionen Jahren in Nordamerika, von wo sie nach Südamerika und über die Beringstrasse nach Asien und Afrika abwanderten. In Südamerika ließen sie sich in Bolivien, Peru und Chile nieder.

Alpakas gehören zu den ältesten Nutztierrassen der Welt. Sie wurden vor ca. 3000 Jahren domestiziert. Anders als Lamas wurden sie von den Inkas nicht als Lastenträger, sondern als Fleischlieferanten und vor allem ihrer feinen Faser wegen gehalten. Ihre mit Kaschmir oder Mohair vergleichbare Faser (man spricht bei Alpakas nicht von Wolle, sondern von Edelhaar) galt bereits bei den Inkas als Zeichen des Wohlstandes.

Die spanischen Eroberer brachten im 16. Jahrhundert ihren eigenen heimischen Tierbestand mit nach Südamerika und wussten den Wert der Alpakafaser nicht zu schätzen. Nicht zuletzt um den Inkas zu schaden, wurde ein Großteil des Alpakabestandes – man spricht von ca. 90 % - abgeschlachtet. Glücklicherweise konnten die Inkas einige Tiere retten, indem sie sie versteckten, nämlich dort, wo sie auch heute noch ihren Lebensraum haben, auf dem Altiplano, einer südamerikanischen Hochebene.

Mitte des 18. Jahrhunderts kam der Engländer Sir Titus in den Besitz eines Ballens Alpakafaser, die er in der ersten englischen Alpaka-Fasermühle zu luxeriösem Tuch verarbeitete.

Heute gibt es weltweit wieder fast 8 Millionen Alpakas. 99 % der Welt- Alpakapopulation leben in den Hochebenen von Peru, Bolivien und Chile. Heute werden Alpakas auf der ganzen Welt gezüchtet.

Kleiner Einstieg in die Biologie

Alpakas 009 Alpakas – wie auch Lamas – gehören zur Familie der Kamele und sind Schwielensohler. Man unterscheidet zwischen den sogenannten Altweltkameliden, nämlich den Trampeltieren und Dromedaren, und den Neuweltkameliden, zu denen außer Lamas und Alpakas auch die südamerikanischen Wildformen Vicunja und Guanaco gehören. Neuere Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass das Alpaka vom Vicunja abstammt.

Alpakas sind Wiederkäuer mit einem dreigeteilten Magen und ernähren sich hauptsächlich von Raufutter, also Gras und Heu. Um eine bessere Vitamin- und Mineralienversorgung zu gewährleisten, kann - besonders an trächtige und laktierende Stuten - zusätzliches Kraftfutter verfüttert werden.

In ihren Ursprungsländer werden Alpakas schätzungsweise 5 – 10 Jahre alt. Wegen der besseren Ernährung und in Ermangelung natürlicher Feinde können Alpakas bei uns ein Alter von 20 – 25 Jahre erreichen.
Alpakas wiegen zwischen 45 und 75 kg und haben eine Schulterhöhe von 80 - 100 cm. Nach einer Tragzeit von ca. 11 ½ Monate bekommen Alpakastuten – normalerweise ohne menschliche Hilfe - ein Fohlen, genannt Cria. Neugeborene Fohlen wiegen ca. 6 – 8 kg. Zwillingsgeburten kommen ausgesprochen selten vor.

Suris und Huacayas
Es gibt zwei Arten von Alpakas, nämlich Suris und Huacayas. Nur ca. 5 % der Alpakapopulation sind Suris. Vor allem unterscheiden sie sich durch ihre unterschiedliche Bewollung. Laienhaft gesagt, sehen Huacayas einfach runder und puscheliger aus, Suris dagegen eher wie wandelnde Flokatis mit einem seidigen Glanz. Auch in ihrer Persönlichkeit unterscheiden sie sich, Suris sind meistens temperamentvoller und vielleicht auch ein bisschen schreckhafter.

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Faser

Die Feinheit der Faser wird in Micron gemessen. Je nach Stärke unterscheidet man

Baby Royal: unter 20,0 micron
Baby Alpaca: 20,1 - 23.0 micron
Superfine: 23.1 - 26.9 micron
Medium: 27 - 30.9 micron
Strong: 31 - 35.9 micron
Coarse: 36 micron & stärker

Haltung

Alpakas 005 Alpakas sind wie Pferde Fluchttiere. Für eine artgerechte Haltung ist es unerlässlich, dass sie in einer Gruppe Gleichartiger gehalten werden. Auch eine reine Stallhaltung ist nicht artgerecht. Die Tiere sollten von der Weide Zugang zu einem Unterstand oder Stall haben und so selbst entscheiden können, wo sie sich aufhalten. Dabei rechnet man mit einer Stallfläche von ca. 2 m² pro Tier und einer Mindesthöhe von 2 m.

Auf der Weide brauchen sie reichlich Auslauf. Für die ersten beiden Alpakas sollte die Weidefläche mindestens 1000 m² groß sein und für jedes weitere Tier benötigt man zusätzliche 100 m² Fläche. Als landwirtschaftliche Nutztiere anerkannt, wird jedes Alpaka als 0,08 Großvieheinheit gerechnet, was bedeutet, dass 12 Alpakas auf 1 ha gehalten werden können, um das ganze Jahr über genug Grünfutter zur Verfügung zu haben. Im Winter sollte Heu hinzugefüttert werden. Eine ausreichende Wasserzufuhr sollte selbstverständlich sein.

Wir haben unsere ganze Weidefläche mit Wildzaun eingezäunt, um sicher zu gehen, dass die Alpakas nicht heimlich auf Wanderschaft gehen. Das Drahtgeflecht hat eine Höhe von 1,50 m. Vermutlich wuerden auch 1,30 m ausreichen, aber sicher ist sicher, vor allem bei den Hengsten ...

Alpakas sind robuste Tiere. Bei artgerechter Haltung und gutem Futter kommt es selten zu Krankheiten. Eine regelmäßige Schur ist in unseren Breiten unerlässlich, da Alpakas weit mehr unter Hitze als unter Kälte leiden. Auch die Zähne sollten regelmäßig kontrolliert werden, da bei uns der Boden der Weidefläche selten so karg ist, dass sich die Zähne bei der Futteraufnahme am harten Boden von allein abschleifen. Einmal im Jahr werden Alpakas gegen Chlostridien und Tetanus geimpft.

Auch die Geburten verlaufen in der Regel ohne Komplikationen. Bei der Familienplanung sollte man beachten, dass es für ein Alpakafohlen – wie für alle zwei- und vierbeinigen Kinder - schöner ist, mit gleichaltrigen Spielkameraden aufzuwachsen. Abgesehen davon, dass es sich zu Tode langweilt, kommt es bei „Einzelkindern" leichter zu Fehlprägungen, sicher nicht zuletzt deswegen, weil man als frischgebackener Alpakabesitzer vielleicht dazu neigt, sein einziges Fohlen mehr zu verwöhnen, als ihm gut tut. Eine Fehlprägung – auch bekannt als Berserker Syndrom – kommt zwar häufiger bei Hengsten als bei Stuten vor, aber es ist durchaus nicht ausgeschlossen, dass ein weibliches Fohlen aggressiv wird. Oft entsteht ein Berserker einfach aus einem verwöhntes Fohlen, dem der Besitzer seine Grenzen nicht klar verdeutlicht hat.